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Lhasa im Herzen Tibets – mein erster Besuch

Aktualisiert: Juni 17

Auch wenn ich in Nepal aufgewachsen bin, so liegen meine kulturellen Wurzeln in Tibet. Viele Jahre verbrachte ich im Kloster meines Heimatdorfes und wurde mit dem buddhistischen Glauben groß. Den heiligen Berg Kailash habe ich in jungen Jahren als Träger und Guide mehrmals umrundet. Damit verbunden sind unvergessliche Erinnerungen an das abgelegene Tibet. Und auch wenn ich mit europäischen Touristen unterwegs war, glich jede Umrundung einer kleinen, inneren Pilgerreise.

Auf nach Lhasa - Ein Wunsch geht in Erfüllung

Nie hatte ich jedoch die Möglichkeit gehabt, die knapp 1000 Kilometer entfernte Stadt Lhasa zu besuchen. Im Jahr 2015 war es endlich soweit. Im tiefsten Winter, kurz vor Weihnachten, machte ich mich mit meiner Schwester Pema und meiner Frau auf ins Herz von Tibets. Zwar ist um diese Jahreszeit mit strammer Kälte zu rechnen, doch es stellte sich heraus, dass es gleichwohl ein optimaler Zeitpunkt ist, um die Stadt auf authentische Art und Weise zu erleben. Zahllose Pilger aus den unterschiedlichsten Regionen Tibets strömen im Winter in die einst verbotene Stadt.


Der Potala-Palast prägt als wahrlicher Koloss das Stadtbild

Auf dem „Dach der Welt“ angekommen, konnte ich es kaum erwarten den berühmten Potala-Palast aus nächster Nähe zu sehen. So oft hatten mir ältere Verwandte von diesem prächtigen Bauwerk erzählt. Zahllose Bilder hatte ich in den Häusern der tibetisch-stämmigen Familien in Nepal gesehen. Es war ein überwältigendes Gefühl, den Chakpori Hügel zu erklimmen, um den Potala vom besten Aussichtspunkt zu bestaunen. Als wahrlicher Koloss prägt er das Stadtbild wie kein anderes Bauwerk. Doch erst beim Betreten des Palastes wurden mir die Ausmaße des einst politischen und religiösen Zentrum Tibets bewusst. Mit seinen 13 Stockwerken kommt er auf eine stolze Höhe von 130 Metern. Die Mauern sind bis zu fünf Metern stark. 999 Räume sollen dem Dalai Lama zur Verfügung gestanden haben. Zwar ist nur ein Bruchteil dessen zu besichtigen, dennoch wurden sämtliche Vorstellungen aus meiner Kindheit von diesem sagenumwobenen Palast übertroffen.



Der Jokhang Tempel im Zentrum der Altstadt


Von einer Sicherheitsschleuse durch die nächste – die chinesische Regierung überwacht das Zentrum Lhasa’s aufmerksam – gelangten wir weiter zum Jokhang Tempel im Zentrum der Altstadt. Er ist das bedeutendste Heiligtum eines jeden tibetischen Buddhisten. Bereits beim Anblick der sich niederwerfenden Pilger auf dem Vorplatz wurde mir wohlig warm ums Herz. Mit reichlich geschmolzener Butter, abgefüllt in Kannen, schlossen wir uns den frommen Pilgern an und durchschritten den Tempel im Uhrzeigersinn um unsere Opfergaben darzubringen. Ich spürte die tiefe Spiritualität meiner kulturellen Nachbarn bis in die Haarspitzen. Von den goldenen Dächern des Tempels genossen wir bei strahlend blauem Himmel die herrliche Aussicht auf den Potala und die umliegenden Berge des Kyi Chu Tals.



Das tägliche Treiben auf dem Barkhor

Danach stürzten wir uns in das tägliche Treiben auf dem Barkhor, den Pilgerrundweg um den Jokhang Tempel. Dieser Bereich der Stadt gewährt selten gewordene Einblicke in den tibetischen Alltag. Die meisten Häuser im ursprünglichen Baustil sind gut erhalten. Und was es nicht alles zu bestaunen und zu kaufen gibt! Das lässt das Herz eines jeden tibetischen Buddhisten höher schlagen. Sämtliches Kunsthandwerk und kulturelle Artefakte sind erhältlich, von traditioneller Kleidung, über Ketten, Armreifen, Filzhüte, Gürtel, Holzschälchen bis hin zu goldenen Buddha-Statuen. Meine Schwester Pema und ich konnten es uns nicht nehmen lassen: wir ließen uns maßgeschneiderte Umhänge aus Yakwolle schneidern, besetzt mit feinstem Brokat. Das eine oder andere Souvenir für unsere lieben Verwandten in Kathmandu wanderte natürlich auch in unsere Taschen.



Ein glückliches Familientreffen

Wir hatten das Glück, unsere Reise mit einem Familienbesuch verbinden zu können. Eine Tante väterlicherseits unserer Familie wohnt seit dem Tod unseres Onkels in Lhasa. So hatten wir die Gelegenheit an einem Abend ihr zu Hause kennenzulernen. Sie servierte uns frischen Buttertee und bekochte uns mit den feinsten tibetischen Spezialitäten. Es war eine Gaumenfreude! Danach saßen wir für mehrere Stunden um den wärmenden Ofen und tauschten Familienneuigkeiten aus.

Das Klosterleben in Sera und Drepung

In den Klöstern Sera und Drepung, die einst Wohnort von 10.000 Mönchen waren, fühlte ich mich zurückversetzt in meine Kindheit. Vor meinem inneren Auge konnte ich den lebendigen Klosteralltag sehen. Ein beklemmendes Gefühl überkam mich, denn die Zahl der hier lebenden Mönche ist inzwischen stark dezimiert. Das ehemals sprudelnde Klosterleben ist auf ein Minimum beschränkt. Die noch erhaltenen Schriften in den Gebetsräumen waren mit Staub überzogen. In der Klosterküche konnten wir die ausladenden Bottiche begutachten, in denen früher Tsampa (ein sättigender Brei aus Gerste und Yakmilch) zubereitet wurde. Der Reichtum der Klöster lässt sich erahnen, wenn man die dunklen Gebetshallen durchschreitet. Unzählige Butterlampen bringen die mit Edelstein besetzten Gold- und Silberstatuen zum Strahlen. Die Decken und Wände sind mit prachtvollen Fresken bemalt. Herrliche Tankas hängen von den Decken und die frommen Pilger werfen sich ehrfürchtig nieder und erbitten den Segen ihrer Gottheiten. Zurück im Freien schnappten wir frische Luft. In einem weiteren Innenhof stießen wir auf debattierende Mönche. Wieder machte ich eine gedankliche Zeitreise. In meiner Jugend hatte auch ich zahllose Stunden damit verbracht, die erlernten buddhistischen Grundprinzipien mit meinen Mönchsbrüdern zu erörtern.



Der Norbulingka-Palastgarten

Im Norbulingka-Palastgarten hebte sich schlagartig meine Stimmung und ich fühlte mich plötzlich ganz unbeschwert. „Norbu“ bedeutet auf Tibetisch soviel wie Juwel und "Lingka“ ist ein schöner Garten. Dieser Name macht der ehemaligen Sommerresidenz des Dalai Lamas alle Ehre. Wir schlenderten durch die parkähnliche Anlage, von einem Pavillon zum nächsten. Die tibetische Architektur ist auch hier allgegenwärtig. Jeder Torbogen, jede Gebetshalle, jeder Raum ist prachtvolle verziert. Die Gärten, wenn auch etwas farblos im Winter, vermitteln einen Eindruck von der Blumenpracht, die im Frühling und Sommer die Anlage schmücken. Kaum vorstellbar, dass dies einer der geschichtsträchtigsten Orte Lhasa’s ist. Von hier flüchtete der 14. Dalai Lama im Jahr 1959 ins Exil, nachdem der Palast von der chinesischen Volksbefreiungsarmee umstellt worden war.



Das Kloster Drigung Thel

Mein persönliches Highlight auf unserer Reise war der Besuch des Klosters Drigung Thel, das Stammkloster des Drigung Kagyu Ordens, dem meine Familie angehört. Es liegt 130 Kilometer östlich von Lhasa. Die 800 Jahre alten Klosterbauten schmiegen sich idyllisch an einen Berghang.

Heiliger Ort für Himmelsbestattungen

Etwa 500 Meter westlich des Klosters befindet sich ein heiliger Ort für Himmelsbestattungen. Die menschlichen Überreste werden dort den Geiern zum Fressen überlassen. Diese Art der Bestattung ist in Tibet üblich, sowohl aus religiösen, als auch praktischen Gründen: Feuerholz ist knapp, die Erde zu hart. Unser Guide führte uns an den Platz, der noch einige Stunden zuvor übersät war von heiligen Greifvögeln. Die Vergänglichkeit wird uns dabei vor Augen geführt.

Einsiedeleien für meditierende Mönche

Das Klosterleben in Drigung ist vollkommen in Takt. Noch heute leben hier zahllose Mönche, die sich regelmäßig für mehrere Monate in Einsiedeleien zurückziehen und meditieren. Während wir einer Puja im Haupttrakt des Klosters beiwohnten, kamen erneut Erinnerungen in mir hoch. Im Alter von 17 Jahren zog ich mich im Rahmen meiner Klosterausbildung für vier Monate zurück. Die Tage waren geprägt von einem wiederkehrenden Ablauf: Yoga-Übungen, stilles Meditieren, Rezitieren von heiligen Texten, wiederholtes Niederwerfen...


Wie sich mein Leben seitdem verändert hat. Das Kloster und mein Heimatdorf habe ich mit 18 Jahren verlassen. Ich ging nach Kathmandu um im Trekking Business und im Hotel zu arbeiten. Inzwischen lebe ich mit meiner Familie in Deutschland. Auch wenn mein Leben von Veränderung geprägt ist, lassen mich meine Wurzeln nie los. Der Bezug zu den Werten des tibetischen Buddhismus wird mich ein Leben lang begleiten. Diese wundervolle Reise hat es mir auf eindrückliche Art und Weise gezeigt.


Im Mai werde ich voraussichtlich wieder mit einer Gruppe nach Tibet reisen. Das Abenteuer beginnt in Peking an der Großen Mauer. Mit dem Himmelszug fahren wir auf das "Dach der Welt", besuchen Lhasa, Shigatse, das Everest Basislager und über das Langtang gelangen wir schließlich ins Kathmandu-Tal. Mehr zur Reise erfahren Sie HIER.

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