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Mit einer Karawane von Mulis durch den Wilden Westen Nepals

Aktualisiert: Juni 13

Unsere Ankunft in Nepal ist geprägt von großer Euphorie und Neugierde auf unsere bevorstehende Reise. Freudig werden wir von unseren lieben Freunden im Kathmandu View Hotel empfangen. Auf der wunderschönen Dachterrasse am ruhigen Rande Thamels, dem quirligen Touristenviertel, lassen wir unsere Reise bei einem nepalesischen Willkommensessen in Ruhe angehen. Auch am nächsten Morgen genießen wir noch einmal den überwältigenden Blick über Kathmandu, wobei sogar die entfernten Himalaya-Bergketten klar gestochen zu sehen sind − ein seltener Panoramablick in der meist diesigen Hauptstadt Nepals.

Doch schon am Morgen geht es los für uns. Das Abenteuer im Wilden Westen Nepals beginnt. Mit kleinen Maschinen fliegen wir von Kathmandu bis nach Nepalgunj, einem heißen Städtchen im Südwesten Nepals nahe der indischen Grenze. Von dort bringt uns eine noch kleinere Maschine nach Simikot, der Hauptort des Distrikts Humla im äußersten Westen Nepals auf 2910 Höhenmetern.

Die klare Sicht und das atemberaubende Panorama auf die gezuckerten umliegenden Berghänge ziehen uns sofort in ihren Bann. Von unserer gut gelaunten Trekking-Crew werden wir sogleich empfangen und in unser erstes Zelt-Camp oberhalb des Flugplatzes begleitet. Den Nachmittag nutzen wir für einen Besuch der lokalen Schule, wobei uns die fröhlichen, rotbäckigen Gesichter der Kinder das Herz erwärmen. Auf einem anschließenden Bummel durch die anmutenden Dorfgassen werden wir alsbald vom neugierigen, freundlichen Mädels-Treff in Beschlag genommen. Nach etwas Plauschen wird ein Gruppenfoto mit den selten gesehenen Europäern gewünscht, bitte, sehr gerne, Namasteee… und Danke ebenso für das erfrischende Gespräch!


Am Abend finden wir uns wieder in unserem gemütlichen Zelt-Camp am Rande des Dorfes ein. Es ist inzwischen knackig kalt, so dass wir die wärmende Suppe und das reichhaltige Essen gut vertragen können. Und schwupps hinein ins Zelt und in den dicken Schlafsack für die erste Nacht unter klarem Sternenhimmel und abseits der gewohnten Zivilisation.


Mit dem Klappern von Metallbechern werden wir am Morgen von unseren nepalesischen Guides geweckt. Sie reichen uns heißen Tee ins Zelt, der sogleich unsere Lebensgeister weckt. Kurz darauf bringen Sie uns warmes Wasser für die morgendliche Katzenwäsche. Wer noch immer nicht richtig wach ist, der ist es mit Sicherheit nach dem kräftigenden Frühstück.

In der Zwischenzeit haben unsere Begleiter bereits die Zelte abgebaut. Sorgfältig werden die Mulis mit unserem Gepäck beladen. Ganz allmählich werden uns die Ausmaße unserer Trekking-Crew bewusst. Wir werden begleitet von 19 Mulis mit 6 Mulitreibern, 2 Köchen und 7 Trägern, die unseren Proviant und das Equipment tragen. Es dämmert uns, dass wir in den kommenden 2 Wochen in einer der abgelegensten Regionen Nepals unterwegs sein werden. Ein Großteil der Lebensmittelvorräte mussten aus Kathmandu mittransportiert werden. Nur sporadisch kann sich unser Koch bei der lokalen Bevölkerung mit frischem Gemüse, Eiern und Obst eindecken.


Ein letztes Mal streifen wir durch die schönen Gassen Simikots, vorbei an alten Steinhäusern, bedeckt mit getrocknetem Heu als Futter für die Nutztiere. Wunderschön ziselierte, selbst gehauene Holztreppen lehnen an den Dachkanten. Wäscheleine an Wäscheleine mit zum Trocknen aufgehängten Kleidern hangelt sich von Haus zu Haus. Sobald wir das Ortsende erreichen geht es steil hinab, über steinige Wege und manchmal auch Geröll. Mit Holzpfosten und Steinquadern beladene Mulis kämpfen sich gegenläufig den Berghang hinauf. Die Lasttiere sind in dieser abgeschiedenen Region nicht wegzudenken, ja unentbehrlich, denn ausgebaute Straßen gibt es nicht oder nur in eingeschränkter Form. Den Blick konzentriert nach unten geheftet, gelangen wir immer weiter hinunter in das wunderschöne Karnali-Tal, welchem wir in den kommenden 6 Tagen folgen werden.


Kaum haben wir die Distrikt-Hauptstadt Simikot hinter uns gelassen, sind wir auch schon vollkommen im Einklang mit der Natur. Die mittelalterlich anmutenden Dörfer, die wir hin und wieder passieren, bestehen oft nur aus einigen Steinhäusern oder Hütten. Anderen Touristen werden wir auf unserer Tour bis zum Rara-See nicht mehr begegnen. Aber das saftige Karnali-Tal ist keineswegs ausgestorben. Die Einheimischen sind unterwegs von Dorf zu Dorf, sie bearbeiten ihre Felder, bringen ihre Ernte ein. Hübsche, bunt gekleidete Mädchen tragen Strohballen auf dem Rücken nach Hause. Alte Bauersfrauen, geschmückt mit großen goldenen Nasen- und Ohrringen halten ein Pläuschen am Wegesrand und treiben schon bald ihre Kuh-Herde auf die nächste saftige Wiese. Selbst emsige Händler mit ausladenden Metall- und Kupfertöpfen kreuzen unseren Weg. Sie sind unterwegs zwischen Indien und Nepal und bieten ihre Waren und Dienste an. Oft werden wir stückweise begleitet von Schafs- und Ziegenherden, bepackt mit Säcken voll Reis oder auch Salz. Der rege Handel mit Waren ist in dieser Region allgegenwärtig. Die lokale Bevölkerung ist darauf angewiesen.




Mehrere Tage lang folgen wir dem Karnali. Über ausladende Hängebrücken wechseln wir gelegentlich die Seite des Flusses. Mal ist das Tal eng und wildromantisch, steile Felsen tauchen auf und wir folgen schmalen Wegen entlang der Schlucht, den rauschenden Fluss tief unter uns. Die Blicke nach vorne und hinten ins Tal sind atemberaubend schön. Dann wird das Tal wieder breiter, die Landschaft lieblicher, wir sind umgeben von saftig grünen Wiesen, blühendem Yasmin und terrassierten Weizen- und Gerstenfeldern. Mal ist der Weg überschattet von Laubbäumen, dann geht es vorbei an wunderschönen Pinienwäldern. Immer wieder mischen sich herrlich blühende Rhododendronbäume darunter. Und somit ändert sich von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag die Landschaft. Unser Nachtlager schlagen wir stets nahe am Fluss auf, so dass wir am Abend häufig die Gelegenheit bekommen uns im eiskalten Wasser abzukühlen, zu plantschen und auch zu waschen.


Unser Weg führt immer wieder durch kleinere Dörfer. Aus allen Winkeln und Schlupflöchern kommen Kinder herbeigerannt. Sie freuen sich über die unbekannten Gesichter und noch mehr über die kleinen Plüschtierchen, Luftballons, Haargummis und Stifte, welche wir verteilen.



Nach einer Woche Wandern entfernen wir uns vom Fluss und steigen weiter auf durch einen Märchenwald, geprägt von mit Moos bewachsenen alten Bäumen. Es ist angenehm schattig, doch nach und nach wird es windiger. Wir müssen uns in Acht nehmen, denn einige Bäume geraten ins Schwingen, manche stürzen gar um. Wir sind uns der Gefahr bewusst und eilen weiter über den Bergkamm, raus aus dem Wald!

Am 7. Tag krabbeln wir aus den Zelten und müssen erstaunt feststellen, dass unsere Mulis über Nacht getürmt sind. Doch keine Panik, die Mulitreiber sind schon unterwegs, um sie zurückzuholen. Und so treten wir den steilen Anstieg zum Chankkeli Lagna Pass (über 4000 Meter) an. Nach etwa 3 Stunden Aufstieg werden wir mit einem 360-Grad Rundblick belohnt. Es ist überwältigend, die 6000er in der Ferne zu sehen, die sich endlos aneinander zu reihen scheinen.

Mit der Passüberquerung haben wir den Distrikt Mugu erreicht. Die Landschaft wandelt sich und es ist deutlich karger. Der Boden ist trocken und sandig, häufig geht es auf anspruchsvollen Wegen über Geröll hinauf und wieder hinab. Trotz gleichbleibender Temperaturen macht uns die Hitze mehr zu schaffen. Es gibt nur wenig Schattenplätzchen zum Verweilen und die Luft ist stellenweise staubig. Nicht nur die Wasserbüffel freuen sich über eine Abkühlung beim Durchqueren eines Gebirgsbaches der unseren Weg kreuzt. Auch wir haben nichts gegen das kühle Nass!



Über mehrere Bergkämme arbeiten wir uns von einem Tal ins nächste, bis wir eine große Hängebrücke erreichen: das Tor zu Gamghadi, der Hauptstadt des Distrikts Mugu. Hier herrscht emsiges Treiben. Zum ersten Mal nach eineinhalb Wochen haben wir das Gefühl in einer richtigen Stadt zu sein. Erstmals auf unserer Wanderung haben wir W-LAN-Verbindung. Im Stadtkern gibt es zahllose Geschäfte mit importierter Ware sowie Obst- und Gemüsestände. Wir sehen Traktoren und sogar den einen oder anderen Lastwagen. Vereinzelt rauschen Motorräder über die frisch in den Hang gehauene Jeep-Straße, die zwar eine bessere Infrastruktur verspricht, jedoch das Erodieren der Landschaft begünstigt. Am Stadtrand erhalten wir einen Eindruck von den nepalesischen Wahlvorbereitungen − es erinnert an sinnfreie Militärübungen. Wir nächtigen in einem einfachen Hotel, doch genau genommen wäre uns ein Zeltplatz am Wasser lieber.

Und so freuen wir uns am kommenden Tag darauf, die letzte Etappe bis zum wunderschönen Rara-See anzutreten. Wir genießen einen letzten Blick auf die grünen Terrassenfelder rund um Gamghadi und steigen stetig aufwärts. Schon bald sind wir von Wald umgeben und passieren den Check-Point zum geschützten Rara Nationalpark. Noch müssen wir uns ein wenig gedulden und weiter aufsteigen, bis wir schließlich einen Bergkamm überqueren und einen ersten Blick auf den herrlichen See werfen können. Er liegt auf 3000 Meter Höhe und ist der höchst gelegene See Nepals. Der Nachmittag steht uns zur freien Verfügung und wir genießen das tiefblaue Naturidyll umgeben von Wäldern und schneebedeckten Bergen. Selbst das nepalesische Armee-Camp direkt am See tut dem ruhigen Ort keinen Abbruch.


Gerne würden wir hier noch einige Tage verweilen und die Seele baumeln lassen. Der Rara Nationalpark ist bekannt dafür, Domizil von Schwarzbären, roten Pandas, Moschus-Hirschen und dem schwarzen Panther zu sein.

Doch unsere Reisezeit ist begrenzt und so brechen wir am Folgetag mit unserer Trekking-Crew wieder auf. Sicher hat auch unseren Mulis der halbe Tag Pause gutgetan. Und so lassen wir den See hinter uns und starten in die nächste anstrengende Etappe. Steil geht es durch einen dichten Wald hinauf. Dann folgen wir einem schmalen Höhenweg mit herrlichem Blick zurück ins Tal, bevor wir einen letzten, langen Anstieg zum Ghurchi Lagna Pass (ca. 3600 m) zu bewältigen haben. Erschöpft aber glücklich erreichen wir unser Zelt-Camp unmittelbar hinter dem Pass im Schatten der Felsen. In dieser Nacht regnet es stark und der Wind zerrt bedrohlich an unseren Zelten.

Eine weitere Tagesetappe bringt uns dem letzten Pass, dem Jaljala (ca. 3700 m) näher. Auch hier kämpfen wir uns stetig den Hang hinauf, doch die uns umgebende Berglandschaft kompensiert jegliche Anstrengung. Sobald wir den Jaljala überquert haben scheint die Stadt Jumla unten im Tal zum Greifen nahe. Doch auch beim Abstieg müssen wir uns weiterhin konzentrieren. Es geht über reichlich Geröll hinab und dann weiter über großzügige Almwiesen. Erst nach einer halben Ewigkeit erreichen wir die Distrikthauptstadt Jumla, ein geschäftiges und hübsches Städtchen in einem ausladend grünen Berg-Tal.




Nach knapp zwei Wochen genießen wir die Annehmlichkeiten einer richtigen Dusche. Auch wenn das Wasser eiskalt ist, es tut verdammt gut! Am Abend überraschen uns unsere Köche zum wiederholten Male mit Ihren Koch- und Backkünsten. Es gibt eine wunderschöne und leckere Torte als Nachtisch. Wir genießen das letzte gesellige Beisammensein und nehmen wehmütig Abschied von unserer tollen Trekking-Crew. Schon morgen brechen wir auf nach Kathmandu und unsere Crew macht sich zurück auf den Weg in ihre Heimat Simikot, dem Ausgangspunkt unserer herrlichen Trekking-Tour durch den Wilden Westen Nepals. Noch lange werden wir von den Eindrücken unserer Reise zehren. Was für ein einmaliges Trekking-Abenteuer!

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