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Unsere Annapurna-Runde – Liebe auf den ersten Trek

Aktualisiert: Juni 7

Als Familie war es unser großer Traum, eine der berühmtesten Trekkingtouren auf dieser Erde gemeinsam zu meistern. Der Familienrat stimmt ab und unsere Wahl fällt auf die Annapurna-Runde. Und so treten wir eine der herrlichsten Aktivreisen unseres Lebens an.

Mit unserer „Lizenz zum Trekking“ brechen wir in Kathmandu mit dem Jeep auf und fahren auf holprigen Straßen gen Westen. Wir staunen nicht schlecht, als wir einen kleinen fahrenden Tempel überholen. Es stellt sich heraus, dass hier eine heilige Kuh mit fünf Beinen transportiert wird. Nach einigen Stunden erreichen wir das Marshyangdi-Tal und den Ausgangspunkt unserer Trekkingtour. Es ist unfassbar grün und unsere erste Lodge liegt direkt am tosenden Fluss. Nichts leichter, als bei dieser Geräuschkulisse in einen wohltuenden Schlaf zu sinken.


Voller Energie starten wir am folgenden Tag in unsere Trekkingtour. Während der ersten Tage herrscht subtropisches Klima. Unser Weg führt vorbei an saftigen Wiesen und terrassierten Reisfeldern soweit das Auge reicht. Wir passieren die ersten urigen Bergdörfer. Wilde Hühner laufen gackernd durch die Gassen, gefolgt von ihren Küken. Knallrote Chili-Schoten liegen zum Trocknen auf Holzrahmen aus. Frauen spinnen Wolle auf den schattigen Verandas der Häuser. Männer gesellen sich beim Kartenspiel dazu. Ältere Damen lausen sich am Wegesrand. Kinder in Gummisandalen springen durch die Gegend und warten auf ihre Gelegenheit für ein „Engelchen flieg“ mit uns willigen Touristen. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.


Aber für uns geht es weiter. Immer wieder wechseln wir auf spektakulären Hängebrücken die Flussseite. Der eine oder andere von uns hat mit dem ungewohnt feuchten, heißen Klima zu kämpfen. Streckenweise geht es stramm bergauf, dann wieder gemütlich auf und ab. Manchmal führen kleinere Wasserfälle über den Weg hinweg und wir springen von Stein zu Stein, um trockene Füße zu behalten. Zack, haut es mich als wohlbekannten Schussel der Familie mit meinen Wanderstöcken auf den Hintern. Etwas Übung und Eingewöhnung braucht es schon, aber die Stöcke sollen uns in den nächsten zwei Wochen noch wunderbare Dienste leisten.



Mit der Zeit wird das Mashyangdi-Tal immer enger und wir laufen an überhängenden Felsen entlang. Wir bemerken zahllose Marihuana-Pflanzen am Wegesrand, wuchtige Bambussträucher gesellen sich dazu. Die Anzahl der Wasserfälle steigt, ein ohrenbetäubendes Rauschen umgibt uns, es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel. Doch schon bald wird das Tal wieder breiter und das Klima allmählich trockener. Wir passieren hübsche, bunt bemalte Häuser, vor denen Mais zum Trocknen aufgehängt ist. Die Landschaft verändert sich schleichend, die Reisfelder werden abgelöst von rosa blühenden Buchweizenfeldern. Durch duftende Pinienwälder geht es bergauf. Mitunter sind auch anstrengende Passagen zu bewältigen. Die ersten Blicke auf den Manaslu (8163 m) und den Lamjung Himal (6983 m) werden frei und bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein präsentieren sich die Berge von ihrer besten Seite.

Buddhistischen Gebetsmühlen, Manimauern und Chörten tauchen auf und wir erreichen den Distrikt Manang. Durch Fichtenwälder steigen wir auf und mit zunehmender Höhe wird es karger, die Vegetation wilder. Wir erreichen die Baumgrenze und das idyllisch, am Berghang gelegene Upper Pisang (3200 m). Am Abend nutzen wir die Gelegenheit und besuchen das farbenfrohe Kloster zur Puja (religiöse Zeremonie). Rot-gelb gekleidete Lamas sprechen Gebete in einem eintönigen, aber angenehmen Gemurmel. Gebetsbücher werden von einem Eck ins andere getragen und neu aufgestapelt. Vor dem Kloster wäscht ein junger Mönch sein Gewand in der untergehenden Abendsonne. Wir sind überwältigt vom Panoramablick auf die gegenüber liegende Annapurna II (7937 m).



Es fällt uns schwer diesen wunderschönen Ort zu verlassen. Lediglich das neblig-feuchte Wetter treibt uns heute weiter. Eine wundervolle Aufmunterung erhalten wir in einem kleinen Dorf in der Nähe eines Flugplatzes. Auf einem Mäuerchen stehen herrlich duftende Zimtschnecken und wir können nicht anders, als eine kleine Pause einzulegen, um uns diese Köstlichkeit nicht entgehen zu lassen. Das schmuddelige Wetter ist glücklicherweise schnell vorüber. Die Regenwolken verschwinden und wir haben klare Sicht. Das fruchtbare Manang-Tal breitet sich in seiner ganzen Schönheit vor uns aus. Der Mashyangdi hat deutlich an Geschwindigkeit verloren und mäandert in großzügigen Schleifen dahin. Das Wasser glänzt im Sonnenschein. Wir beobachten die emsigen Bauern auf den Feldern, die begleitet von fröhlichem Singen die Ernte einfahren. Und so erreichen wir die Distrikthauptstadt Manang (3540 m), die gesegnet ist mit Blick auf Annapurna III (7555 m), Gangapurna (7453 m) und Tilicho Peak (7134 m).

An die gemütlichen Lodges haben wir uns bereits gewöhnt. Inzwischen spüren wir jedoch die beachtliche Höhe. Am Abend gibt es ab sofort schmackhafte Knoblauchsuppe, die optimal bei der Akklimatisierung hilft. Nach dem Essen genießen wir das familiäre Beisammensein und gehen unserer Lieblingsbeschäftigung nach. Wir spielen Karten und dabei freuen wir uns über die Gesellschaft unseres Guides, der sich schnell wohl zu fühlen scheint in unserer ausgelassenen Runde. Was wir jedoch bis zum Schluss in den Lodges vermissen werden, sind simple Kleiderhacken. Sollten wir jemals wieder herkommen, haben wir sicher welche im Gepäck, um die eine oder andere Lodge damit auszustatten.



In Manang legen wir einen wohlverdienten Ruhetag ein, der auch zu unserer Akklimatisierung beiträgt. Wir lassen es ruhig angehen und unternehmen eine kleine Wanderung hinauf zu den Ausläufern des Gangapurna Gletscher (4700 m). Von hier aus haben wir einen tollen Blick auf das Tal und das Dorf Manang mit seinen Steinhäusern und den vertikalen Gebetsstangen, die typisch für diese Region sind. Wir haben großes Glück eine Herde von Blauschafen in der Ferne beobachten zu können. Zurück im Dorf schlendern wir durch die hübschen Gassen. Auf den Dächern der Häuser lagert trockenes Holz, Stroh und Jak-Dung zum Einschüren. Selbstgehauene Holztreppen, bemalte Fensterrahmen und Blumentöpfe zieren die Häuser. Die Gassen sind gesäumt von blühenden Stockrosen und Kapuzinerkresse.

Nach unserem Ruhetag verlassen wir Manang voller Tatendrang, um unsere Trekkingtour um das Annapurna-Massiv fortzusetzen. Und langsam wird es für uns ernst. Die Überquerung des Thorong La steht schon bald bevor. Bepackte Mulis mit buntem Kopfschmuck begleiten uns für eine Weile auf unserem Weg bis Yak Kharga (4020 m). Die Vegetation wird karger, nur kleine Strauchgewächse und alpine Pflänzchen gedeihen hier noch. Die ungewohnte Höhe drosselt allmählich unsere Geschwindigkeit und wir kosten die Pausen umso mehr aus. Auf einer Lodge bekommen wir frisch gebackene Sanddorn-Muffins serviert. Hier lebt man von dem, was die karge Vegetation zu bieten hat. Und endlich bekommen wir die ersten Yak-Herden zu sehen, die sich auf den Almwiesen und den umliegenden Berghängen sichtlich wohl fühlen. Mit ihrem zotteligen Fell sind es wahrlich prachtvolle Tiere.



In Chuli Ledar angekommen absolvieren wir zur Höhenanpassung noch einen Aufstieg, um dann wieder zu unserer Lodge abzusteigen. Nachts ist es bereits recht kalt und wir sind heilfroh über unsere dicken Schlafsäcke, die uns Wärme spenden. Am nächsten Tag geht es stetig weiter aufwärts. Nach einer Teepause überqueren wir eine imposante Hängebrücke mit Blick auf den Chulu (6584 m) und pünktlich zur Mittagspause erreichen wir Thorong Phedi (4450 m). Nach einer ordentlichen Portion Chow Mein (gebratene Nudeln), mit einer extra Portion Knoblauch, sind wir gestärkt für den letzten strammen Aufstieg zum Thorong La High Camp (4450 m). Das Camp liegt windgeschützt in einer kleinen Mulde zwischen den Bergen. Bei einem letzten abendlichen Akklimatisierungsaufstieg werden wir belohnt mit einer tollen Aussicht und mit einem verheißungsvollen Blick auf den Weg zum Pass. Beim Abendessen in der Lodge herrscht eine prickelnde Stimmung, alle stellen sich seelisch und moralisch auf die Passüberquerung ein und so schlüpfen wir schon beizeiten in unsere Schlafsäcke. Eine erholsame Nacht steht uns jedoch nicht bevor. Häufig müssen wir aufstehen und uns erleichtern. Selbst beim Toilettengang kommt man ins Schnaufen. Der eine oder andere von uns hat mit Kopfschmerzen zu kämpfen.

Es fällt uns somit nicht schwer um 04:00 Uhr nachts aufzustehen und nach einem leichten, wärmenden Frühstück den Anstieg zum Pass anzugehen. Es ist neblig und die Sicht begrenzt. Stirnlampen helfen uns dabei, dem schmalen Weg über Geröll hinauf zu finden. Das Gelände ist zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, aber die Höhe drosselt unsere Laufgeschwindigkeit ungemein und so kämpfen wir uns Schritt für Schritt den Thorong La Pass (5416 m) hinauf. Oben angekommen herrscht ausgelassene Stimmung, eine enorme Euphorie durchströmt uns und wir sind mächtig stolz darauf, gemeinsam den höchsten Pass unseres Lebens erfolgreich erreicht zu haben. Wir nutzen die Zeit um Gruppenfotos zu machen und der Nebel zieht auf.



Und schon richtet sich unser Blick hinab ins nächste Tal (3810 m). Ein steiler Abstieg steht uns nun bevor, aber wir kommen dank unserer Wanderstöcke schnell voran. Die Kopfschmerzen verfliegen nach den ersten 1000 Höhenmetern. Schon wieder ist die Landschaft völlig verändert, das karge und trockene Mustang liegt vor uns. Im Bob Marley Hotel in Mukthinath (3810 m) angekommen freuen wir uns über die erste warme Dusche seit Tagen. Es gibt Yak-Steak und zum Nachtisch flambierte Banane, welch Belohnung an solch einem anstrengenden Wandertag. Bei chilliger Musik lassen wir den Abend entspannt am Billiard-Tisch ausklingen.

Es ist soweit: wir sind im absoluten Trekking-Rausch und haben uns Hals über Kopf in Nepal verliebt. In der tiefsten Schlucht der Erde setzen wir unsere Wandertour fort und erreichen den Ort Marpha, umgeben von leckeren Apfelbäumen. Dann wird es schlagartig wieder grün und in Tatopani (tato = heiß, pani = Wasser) angekommen, können wir unsere müden Glieder in den heißen Quellen ausruhen. Vorbei an Orangenbäumen und durch Rhododendronwälder gewinnen wir wieder an Höhe und das letzte Highlight unserer Tour ist der Sonnenaufgang am Aussichtspunkt Poon Hill (3210 m). Es fällt uns schwer den Heimweg anzutreten. Ein kleiner Trost ist nochmal die entspannte, ruhige Stimmung am Phewa-See in Pokhara. Noch schweifen unsere Gedanken in den Bergen umher und wir lassen unsere Trekkingtour revue passieren.

Zurück in Kathmandu sind wir etwas überwältigt vom ungewohnten Lärm und Gewusel. Es ist unser letzter, leider verregneter Tag. Der wolkenbedeckte Himmel taucht den Bouddhanat-Stupa in ein mystisches Licht. Die farbenfrohe Kleidung der tibetischen Pilger, die den Stupa umkreisen und dabei die zahllosen Gebetsmühlen drehen, kommt bei diesem Licht erst recht zur Geltung. Mit Blick auf den Stupa, leckeren Momos und schmackhaften Masala-Tee nehmen wir Abschied von Nepal, ein Land, welches uns auf unserem ersten Trek bereits an Herz gewachsen ist. Wir kommen wieder!

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